2
Feb
2012

Schreiben

Ich möchte wieder schreiben. Da ist dieser Drang danach in mir. Ich hab keine Geschichten mehr zu erzählen, beziehungsweise hab ich mir mit dem Schreiben lange Zeit vieles von der Seele getragen, das manchmal belastend war, manchmal im Weg war, und manches hat mich auch nur immer wieder abgelenkt. Es raus zu schreiben war eine Möglichkeit es frei zu lassen. Aber so konserviert kam es immer wieder zurück. Schreiben kann das Leben leichter machen. Aber schreiben lässt mich durchsichtig werden. Ich gebe Dinge preis, die mich dann verfolgen können. Und das ist nicht gut. Nun unterdrücke ich diesen Drang zu schreiben, weil mich meine Erfahrung lehrt. Frühere Worte waren wie an einem Angelhaken gefangen. Wie an einer dünnen Schnur mit mir verbunden. Nur dass ich es war, der zappelnd am anderen Ende hing. Einmal gesprochen kann man nichts zurück nehmen. Doch gesprochen löst es sich in der Luft auf und wird dann harmlos. Geschrieben behält es seine Stärke, für jeden Leser gleich kräftig. Aber dieses Wollen ist da, und so viele Bilder ich auch male, so viele Zeichnungen ich mache, so sehr ich mich mit meinem Studium ablenke, so viele Folgen von irgendwelchen Serien ich auch schaue, es steigt der Druck in mir. Es ist kein besonderes Thema das raus will, kein Erlebnis, dass wirklich des Beschreibens wert ist, keine Gedanken die mich quälen, ich bin zufrieden und alles ist ruhig, bis auf meine Finger die schreiben wollen.
Ich hör Musik, den klaren reinen Klang von Klavier und Cello. Besonders das Cello rührt in mir, als würde der Bogen direkt in mir über zarte Saiten streifen und tiefste Gefühle heraufbeschwören und sie aus den letzten Winkeln hervor locken. Wenn ich die Augen schließe öffnet mein Kopf seine Schranken, lässt unzensiert Bilder und Szenerien aufkommen, lässt meiner Fantasie freien Lauf, ein Gefühl von Unendlichkeit im Inneren. Mein Blickwinkel auf die Welt hat sich geändert, ist mit mir erwachsen geworden. Vor allem der Blick auf mich selbst und was ich von meinem Leben erwarte hat sich gedreht. Ich denke heute könnte ich sogar etwas schreiben, das ich in zwei Jahren wieder lesen möchte, und auch noch in zehn. Vielleicht sind es diesmal Dinge, die wie Papierdrachen an der Schnur im Wind über mir tanzen, und nicht wie gefangene Fische gegen mich ankämpfen.
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